Dialog mit protestantischen Priestern in Korea

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KOREA OF MY HEART

Dialog mit protestantischen Priestern in Korea

Quelle:

http://www.impantokratoros.gr/74D462E4.de.aspx

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HEILIGES KLOSTER PANTOKRATOROS

Nach wiederholten Einladungen des Nationalen Kirchenrates von Korea (National Council of Churches in Korea = NCCK) an die Heiligen Metropolis von Korea, der sie als Vollmitglied bei sich aufzunehmen wünschte, wurde mit dem Segen des Ökumenischen Patriarchen die Einladung angenommen, unter der Voraussetzung, nur im Rahmen des theologischen Dialoges teilzuhaben, zugunsten des orthodoxen Bekenntnisses, ohne in politische oder andere Aktivitäten involviert zu werden.

Im Rahmen dieses Übereinkommens ist die Metropolis darum gebeten worden, Vorträge über die Orthodoxe Kirche vor protestantischen Pastoren der Städte Seoul, Tsountson und Tsontzou zu halten, die mit Rednern dem Ehrwürdigen Metropoliten v. Korea Herrn Ambrosios in Seoul und den koreanischen Priestern Vt. Jeremias Tzo in Tsountson und Vt. Hilarion Tzong in Tsontzou verwirklicht wurden.

Es folgt das Gespräch zwischen dem Ehrwürdigen und den Herren und Frauen Pastoren und Pastorinnen, das nach dem Vortrag in den zentralen Büroräumlichkeiten des NCCK in Seoul am Montag, dem 18.Juni 2012, stattfand.

ERSTE FRAGE: Stimmen Sie der Theorie der Römisch-Katholischen über Petrus und der „Petra“ (Fels) zu, die sie als Begründung für den Papstprimat angeben?

ANTWORT: Selbstverständlich nicht. Für uns Orthodoxe stellen sich die Dinge einfach und deutlich dar. Die Jünger, mit ihrem Haupt Jesus Christus, waren untereinander gleichberechtigt, und keiner von ihnen hat jemals daran gedacht, sich selbst als ersten und einzigen Stellvertreter Christi auf Erden darzustellen. Das synodale System, das die Orthodoxe Kirche im Lauf der Jahrhunderte mit Respekt und Präzision verfolgt, existiert nach dem Beispiel der zwölfköpfigen Gemeinschaft der Jünger Christi und des anschließenden Apostelkonzils (um ca. 49 n. Chr.). Die synodische Institution bewahrte den grundlegenden Charakter der Orthodoxen Kirche als zwischenmenschliche Kommunion und beschützte sie vor dem Absolutismus bzw. der Anarchie des römisch-katholischen und des protestantischen Westens.

Selbstverständlich bedeutete die Gleichberechtigung unter den Jüngern oder den Bischöfen und Teilnehmern der Synode nicht, dass Anarchie herrschte. Der Begriff „Erster“ besitzt, auf dem Prinzip „Erster unter Gleichen“ (Primus inter pares) basierend, bereits seit der Urkirche Gültigkeit. Die Bischöfe der fünf großen Jurisdiktionen von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochien und Jerusalem (Pentarchie) hatten die erste Stelle inne in der Verwaltung ihres Gebietes, aber untereinander waren sie gleich. Die Institution der Pentarchie der Hierarchen wird bereits seit der Vierten Ökumenischen Synode (451) als höchste Verwaltungsinstanz der Kirche anerkannt. Ein Machtprimat, so wie die Römisch-Katholischen es verstehen, besaß keiner von ihnen, zu keiner Zeit. Alle sprachen dem Bischof von Rom den Ehrenprimat zu, aber keinen Machtprimat. Niemand erkannte ihn als den angeblich einzigen Nachfolger Petri an, der angeblich das Recht der absoluten Führerschaft und Herrschaft über die ganze Ökumene der christlichen Kirche inne hätte. Die Worte Christi: „Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18) bedeuten nicht, dass Christus Seine Kirche auf der Person Petri erbauen würde, sondern auf seinem deutlichen Bekenntnis: „Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ (Mt 16,16), das Petrus als Antwort auf die Frage Christi an Seine Jünger stellte: „Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, daß ich sei?“ (Mt 16,15). Christus erklärte Petrus nicht zum Hirten der übrigen Apostel. So nennt Petrus sich selbst „Mitälteste“ (1 Petrus 5,1), weil er die übrigen Apostel als gleichberechtigt ansieht, mit Christus als einzigen „Erzhirten“ (1 Petrus 5,4).

2. Frage: Es ist bekannt, dass die römisch-katholischen Theologen das Papstprimat mit dem Gespräch des Auferstandenen Herren mit Petrus begründen. Welche Antwort geben Sie darauf?

Antwort: Tatsächlich unterstützen die Römisch-Katholischen, dass Christus in Seinem Gespräch mit Petrus (Joh 21, 15-17) ihn zum Hirten über Seine Schafe erklärte. Auf diese Weise kommen sie zur falschen Schlussfolgerung, dass der Bischof Roms, als Nachfolger Petri, den ausschließlichen Machtanspruch besitzt. Es ist jedoch auch bekannt, dass Petrus bevor er nach Rom ging ein signifikantes Werk in Jerusalem hinterließ. Dort predigte er das Wort Gottes mit großer Innbrunst, gleich nach Pfingsten (Apg 2, 14-36), und setzte die Predigten selbst fort, als man ihn zusammen mit den anderen Aposteln gefangen nahm, während er vor dem Rat der Hohepriester sprach: „Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen” (Apg 5, 29). Trotzdem wagte er der Bischof von Jerusalem niemals, einen Machtanspruch zu erheben, seiner „Verwandtschaft“ mit Petrus wegen, so wie es der Papst tut. Dasselbe gilt auch für den Bischof von Antiochien, wo Petrus ebenfalls wirkte und im Altertum als erster Bischof von Antiochien angesehen wurde.

3.Frage: Glauben Sie, dass die Gleichberechtigung für die Kircheneinheit von Relevanz ist?

Antwort: Ganz bestimmt. Die Kircheneinheit der ersten tausend Jahre wurde durch die Überzeugung bewahrt, dass die Bischöfe, wie auch die Jünger Christi, untereinander gleichberechtigt waren. Leider verursachte der Bischof von Rom durch seinen absurden Machtanspruch das verheerende Große Schisma (1054 n.Chr.) und wurde zur Ursache der Spaltung der christlichen Welt bis heute. Denn als der Papst sich von den übrigen vier großen Kirchenjurisdiktionen abgeschnitten und somit isoliert hat, begann, wie es nur natürlich war, das Schlittern in dogmatische Abweichungen vom rechten Glauben der Urkirche. Allbekannt ist, das dies zur Reformation im 16. Jahrhundert führte.

So kam es leider dazu, dass Luther, Calvin und andere Vorreiter des Protestantismus, zwar zurecht gegen die Abweichungen und Skandale der Kirche von Rom protestierten, aber gleichsam ins andere Extreme fielen, indem sie die Überlieferung, den Klerus, die Sakramente u.a. annullierten. Heute, fünfhundert Jahre später, sind wir konfrontiert mit dem traurigen Phänomen, dass fast jeder Prediger auf seine eigene Weise die Heilige Schrift interpretiert, aber auch, dass jeder ehrgeizige Hirte seine eigene Kirche gründet. Mehrere Tausende protestantischer Konfessionen, die es heute weltweit gibt, bezeugen diesen Umstand. Luther forderte die Reform der Kirche und heute werden wir zu Zeugen wie, vor allem in Asien, in Afrika und in Lateinamerika, die Kirche, ohne ekklesiologisches Fundament, in viele Teile zerteilt wird. Lassen Sie mich an dieser Stelle ein Beispiel anführen:

Um die Kathedrale der Orthodoxen Metropole von Korea, in Aheong-dong, in einem Abstand von 20-30 m. um die Kirche herum, gibt es drei protestantische Kirchen unterschiedlicher Konfessionen. Man stellt sich natürlich die Frage: Warum gibt es diese drei unterschiedlichen Kirchen fast auf der selben Stelle? In welchen wichtigen Punkten unterscheiden sie sich voneinander, so dass eine Vereinigung zu einer Kirche und die Kommunikation zwischen ihnen nicht umgesetzt werden kann? Ich wäre sehr dankbar darüber, von ihnen eine überzeugende Antwort darauf zu erhalten. (Kein Kommentar vom Plenum, nur zustimmendes, verlegenes Lächeln!).

4. Frage: Warum gibt es in den Orthodoxen Kirchen den Altarraum, der durch eine Ikonostase abgetrennt ist, so dass das Kirchenvolk nicht sehen kann, was die Priester in diesem tun? Bedeutet das nicht eine Unterscheidung zwischen Klerus und Volk? Kann diese Überlieferung geändert werden?

Antwort: Zu Anfang muss betont werden, dass es sich bei der Orthodoxen Kirche nicht nur um ein Gebetshaus handelt, sondern um einen heiligen und sakralen Ort. Jede Kirche wird mit einer speziellen Gebetsfolge eingeweiht und ab diesem Zeitpunkt handelt es sich nunmehr um einen Ort, der ausschließlich Gott und Seiner Verehrung gewidmet ist. Mit anderen Worten handelt es sich nicht bloß um einen Predigersaal, der, wenn er uns aus irgendeinem Grund nicht mehr nützlich sein sollte, durch einen neuen ersetzt und in ein Kaffeehaus, in ein Restaurant oder in irgendetwas anderes umfunktioniert werden könnte. Die orthodoxe Kirche ist eine sichtbare Wohnung Gottes. Sie ist der Himmel auf Erden, in dem der himmlische Gott wohnt und wandelt (s. 2 Kor 6,16). Ich erinnere Sie daran, dass im Alten Testament Gott Selbst, auf eindrucksvolle Weise, genaue Anweisungen gibt, wie die Anfertigung des Zeltes des Zeugnisses durch die Israeliten vonstatten gehen sollte (Ex 25).

Der Tempel soll der geistigen Erhebung dienen. Deswegen hat es symbolischen Charakter, wenn wir in der Regel eine Treppe hochsteigen müssen, um den Kirchenraum zu betreten; wir lassen die weltlichen Sorgen hinter uns und treten in die geistige Welt des Königreichs Gottes ein. „Wenn wir im Tempel Deiner Ehre stehen, Herr, dünkt es uns, wir stünden im Himmel“, lautet eine schöne Hymne unserer Kirche. Und die Unterteilung des Tempels in Vorraum (Narthex), Kirchenschiff und Altarheiligtum symbolisiert ebenfalls diese geistige Erhebung. Der eine Raum führt uns stufenweise in den nächsten, bis zum höchsten Punkt des Tempels, dem Altarraum, dem Allerheiligsten. Dort ist der heilige Opferaltar; auf diesem befindet sich der Heilige Tabernakel mit dem Leib und dem Blut Christi und im Zentrum das heilige Evangelium, wobei beides uns auf sichtbare Weise die dogmatische Wahrheit verdeutlicht, dass Christus der Logos das Zentrum unseres Lebens darstellt.
Das Altarheiligtum hat seine Wurzeln im Allerheiligsten des Zeltes des Zeugnisses in der Wüste Sinai und später im Tempel Salomos in Jerusalem. Es handelt sich also nicht um eine neuere Erfindung durch uns. Die Ikonostase (griech. templo) trennt das Kirchenschiff vom Altarheiligtum, so wie der „Vorhang“ im Tempel Salomos das Heilige, wo das Volk und die Priester eintreten durften, vom Allerheiligsten separierte, das, wie Gott geboten, „nur einmal (jährlich) der Hohepriester allein“, während der Feierlichkeiten am Tag der Sühne (Jom Kippur) betreten durfte (Lev 16,34, Heb 9,7). Die Ikonostase hilft uns als Klerus und auch als Volk die besondere Heiligkeit des Ortes zu begreifen. Deshalb sind als Wächter die Erzengel Michael und Gabriel auf der südlichen und auf der nördlichen Tür positioniert.
In der Urkirche fand die Abtrennung des Kirchenschiffes anfangs durch einen Vorhang oder einen Epistyl statt und infolge mit der Ikonostase, die aus Marmor, Holz oder einem niedrigen metallenen Geländer bestand. Die hohe Ikonostase entwickelte sich erst viel später. Nichtsdestotrotz schützt uns die Ikonostase vor der Profanierung des Ortes. Wir könnten sie vergleichen mit dem Thorax des menschlichen Leibes, der das Herz vor frevelhaften und unaufmerksamen Händen schützt. Das „Herz“ des heiligen Gotteshauses ist der heilige Opferaltar. Deswegen kann nicht jedem der Zugang gestattet werden. Nur den Priestern, die den liturgischen Teil der Verehrung auszuführen haben. Der Anspruch, alles sehen und begreifen zu wollen, ist ein Resultat scholastischer Mentalität. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Gott Moses “in einer dunklen Wolke“ (Ex 20,21) erschien und Christus offenbarte uns die großen Glaubenswahrheiten „durch Gleichnisse, und Er redete nur durch Gleichnisse zu ihnen“ (Mt 13,14).

Gott offenbart Sich nicht den Neugierigen, aber denen, die „arm sind vor Gott“ und denen, „die ein reines Herz haben“ (Mt 5,3, Mt 5,8), die sich wie der Zöllner unwürdig fühlen ihre Augen zum Himmel zu erheben und statt dessen ihr Gesicht auf den Boden richten, während sie immerfort wiederholen: „Gott, sei mir Sünder gnädig“ (Lk 18,13).

Mit wenigen Worten würde ich auf die Frage antworten, dass die Ikonostase „nicht das Trennen, sondern das Verbinden beider Bereiche der Kirche symbolisiert” (L. Ouspensky).Christus im Zentrum und rechts und links von Ihm die Gottesgebärerin, der Täufer, die Engel, die Apostel, die Heiligen in Gebetshaltung, die mit der kämpfenden irdischen Kirche kommunizieren. Die Gläubigen betrachten die Antlitze der Ikonostase während der Messe und kommunizieren somit auf sichtbare Weise mit der triumphierenden himmlischen Kirche – sie vereinen sich mit Christus durch ihre Teilnahme am Königlichen Mahl.

5.Frage: Was stellt gemäß der Lehre ihrer Kirche die Priorität im geistigen Leben dar?

Antwort: „Unsere Heiligung“ (1 Thes 4,3). Gott Selbst sagte zu uns: „Seid heilig, denn Ich bin heilig“ (Lev 20,7, 1 Petr 1,16). Die Heiligung ist demnach unser einziges Ziel. Die Heiligung ist der Zweck der Kirche, ohne den es für sie keinen Existenzgrund gäbe. Aber was bedeutet Heiligkeit? Heiligkeit bedeutet, den Heiligen Geist zu erhalten und uns zu vereinen mit Gott. Dass wir zu Göttern der Gnade nach werden. Dies ist mit dem theologischen Begriff „Theosis“ (Vergöttlichung) gemeint, den uns die Väter der Orthodoxen Kirche lehrten. Gott schuf uns „zu Seinem Ebenbild“ und „zum Bilde Gottes“, so dass wir ewiglich mit Ihm zusammensein können. Was wir verloren nach dem Fall, können wir wiedererlangen, wenn wir wollen, indem wir „In Christus“ leben. Christus kam nicht, um aus uns „gute“ Menschen, sondern um aus uns „Heilige“ zu machen. „Er (der Logos Gottes) wurde Mensch, damit wir vergöttlicht würden“ (Gr. Athanasius, Über die Menschwerdung 54, BDK 30,119). Er kam, um uns zu vergöttlichen, um uns seelisch und körperlich zu heiligen und uns das Ewige Leben zu schenken.

Bei unserer Heiligung sind alle Heiligen unsere unfehlbaren Führer. Das heißt, die heiligen Apostel, die heiligen Märtyrer, die Apostolischen Väter, die Seligen, die heiligen Väter und die lange Kette der „Heiligen, der Freunde Gottes“ (J. Von Damaskus, PG 94, 1252) vom ersten Jahrhundert bis zur heutigen Zeit.

Wie, wenn man auf eine Bergspitze steigen möchte und einen Führer benötigt, um den Weg nicht zu verlieren, so sind die Heiligen unsere Wegaufzeiger auf unserem Weg zum Königreich Gottes. Jeder Heilige verdeutlicht uns wiederholt, mit seiner Lehre und seiner Lebensweise, die Worte des Apostels Paulus: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“ (1 Kor 11,1). Deswegen muss die Predigt immer soteriologischen Charakter haben.

6.Frage: Welches Bild haben sie von der koreanischen Gesellschaft?

Antwort: Der Umstand, dass in Korea die meisten Selbstmorde weltweit verzeichnet werden, offenbart die große Krise, in welcher sich die koreanische Gesellschaft gerade befindet. Wenn ich auf dieses Thema nicht auf kritische, sondern auf selbstkritische Weise blicke, so muss ich demütig feststellen, dass wir als Christen versagt haben. Wir brüsten uns damit, dass das Christentum in den letzten 100 Jahren in Korea weite Verbreitung fand. Aber, wie es leider scheint, hat der Geist Christi noch nicht wesentlich die Menschen erreicht. Denn wenn die Menschen noch immer nicht begreifen, dass das Leben ein kostbares Gut darstellt, das von Gott kommt, und dass jegliche Form des Beendigens des Lebens eine große Sünde darstellt, dann ist sich unsere Spiritualität wahrlich auf dem Tiefststand.
Und, bitte entschuldigen sie, aber es macht mich wirklich traurig, dass der NCCK und andere christliche Träger keine ausreichende Reaktion darauf zeigen. Ich glaube, dass es sehr effektiv wäre, wenn wir alle zusammen eine große Informationscampagne gegen den Selbstmord starten würden. Wir sollten offen bekennen, dass wir uneins sind mit denjenigen, die glauben, dass der Selbstmord in vielen Fällen eine „heroische Tat“ darstellt, oder eine „gute Lösung“ und wir sollten unseren Glauben in die Heiligkeit des menschlichen Leibes verkünden, der unserem Glauben an die Auferstehung Christi entspringt.

7. Frage: Sagen Sie uns etwas über das Fest der Auferstehung Christi in der Orthodoxen Kirche.

Antwort: In der Orthodoxen Kirche, die auch „Kirche der Auferstehung“ genannt wird, stellen wir die Auferstehung Christi in den Mittelpunkt. Dies ist zu erkennen an der langen Vorbereitungsphase vor Ostern, den langen und den Gebetsfolgen der Großen Woche, die von höchster Wohlgestalt sind, und den vierzigtägigen Osterfeierlichkeiten.

Sie wissen besser als ich, dass der Ostersonntag in Ihren Kirchen fast einen gewöhnlichen Sonntag darstellt, ohne besondere Rituale. Indes wird zu Weihnachten so viel Wind gemacht um die Weihnachtsbäume, den Schmuck, den bunten Lichtern in den Straßen, den Weihnachtsliedern und den gegenseitigen Weihnachtswünschen wie „Merry Christmas“, unter Christen und Nicht-Christen, so dass Ostern kommt und wieder geht, ohne durch viele Menschen wirklich wahrgenommen zu werden.
Auch in der Orthodoxen Kirche ist das heilige Weihnachtsfest von großer Bedeutung, weil es die „Metropole aller Feste“ darstellt, wie der hl. J. Goldmund charakteristisch sagte. „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15.14). Unser Glaube hat sein Fundament in der Auferstehung Christi. Und von der Auferstehung Christi als Zentrum und Beginn wird unser ganzes Leben erbaut. Wenn wir an die Auferstehung Christi glauben, dann glauben wir auch an die Auferstehung von den Toten. Dann ist der Respekt und der Schutz unseres irdischen Lebens die Stufe, die man nehmen muss, um das Ewige Leben zu erreichen.

8. Frage: Warum beharrt ihr Orthodoxen so sehr auf das Thema der Ikonen? Spielen sie eine Rolle in unserer Erlösung?

Antwort: Wie bereits in der Antwort auf die erste Frage erwähnt, steht der Orthodoxe Tempel mit seiner Gestaltung, seiner Architektur und seinen Symbolen für die geistige Erhebung.

So sind auch die Ikonen erhebend, vor allem während der Latrie. Die Ikonen werden mit anderen Worten zu uns Erziehenden auf Christus hin (s. Gal 3,24). Im Saal zum Beispiel, wo wir uns jetzt eingefunden haben, sehen wir eine Wand vor uns. Niemand kann sehen, was sich dahinter verbirgt. Aber auf der gegenüberliegenden Wand mit dem großen Fenster können wir einen großen Teil unserer schönen Stadt sehen. Diese Rolle nehmen auch die Ikonen ein: Sie sind ein Fenster, durch das wir jetzt schon, auf Erden, die geistige Welt des Himmels schauen können. Wenn wir also die Ikone Christi sehen, kommunizieren wir im Herzen und im Geiste mit Christus Selbst.

9. Frage: Ja, aber warum küssen Sie die Ikonen?

Antwort: Wenn ein Soldat seiner Mutter ein Foto schickt, greift sie mit Sehnsucht danach und küsst es oft unter Tränen. Natürlich küsst sie nicht, wie wir alle unschwer verstehen können, das seelenlose Fotopapier, sondern auf geistige Weise küsst sie ihr Kind, dass fern ist von ihr. Das geschieht auch mit den Ikonen. „Die den Heiligen erwiesene Ehre gelangt nach oben zu ihm“ (Über den Heiligen Geist, 18,45), lehrt der Gr. Basilius bereits im 4. Jahrhundert. Auf diese Weise führen uns die Ikonen, während wir unsere Gebete zuhause verrichten oder uns in der gemeinsamen Latrie befinden, zur geistigen Schau des Königreichs Gottes.

10.Frage: All das ist schön und gut, aber wie lässt sich die Verehrung der Ikonen vereinbaren mit einem der 10 Gebote, das da heißt: „Du sollst dir kein Gottesbild machen…“ (Ex 20,4, Dtn 5,8) ?

Antwort: Zweifellos handelt es sich bei diesem Gebot um ein strenges Verbot. Außerdem wurde dasselbe auch beim Siebten Ökumenischen Konzil beschlossen (787), das sich ausschließlich mit dem Thema der Ikonen beschäftigt hat. Aber die Ikonen der Orthodoxen Kirche brechen dieses Gebot nicht, denn: Wie Sie selbst bemerken werden, wenn sie z.B. die Kathedrale des hl. Nikolaos in Seoul besuchen, oder die anderen Gemeinden unserer Metropolis, findet sich nirgendwo zwischen den sehr schönen Wandikonen des Tempels oder den tragbaren Ikonen, die Ikone des Gott Vaters. Nur die zweite Person der Heiligen Dreiheit, den Gott Logos, der „Fleisch“ (Joh 1,14) wurde, wird in der Orthodoxen Kirche abgebildet. Gott Vater aber, Der Geist ist, Den niemand gesehen hat und Der nicht beschrieben werden kann, weil Er „unvorstellbar“ ist, können wir nicht abbilden. Der Sohn hingegen, Der Mensch wurde, um uns zu erlösen, wird auf den Ikonen abgebildet, so wie wir Ihn sahen, als Er auf Erden erschien. „In alter Zeit wurde Gott, der Körper- und Gestaltlose, auf keinerlei Art bildlich gestaltet, jetzt aber, nachdem Gott im Fleische erschienen und mit den Menschen umgegangen ist, bilde ich an Gott das Sichtbare ab “, schreibt der heilige Johannes von Damaskus (PG 94, 1240). Wir bilden nicht Seine göttliche Natur ab, die ebenfalls „unvorstellbar“ ist, aber die Hypostase, d.h. die Person, des menschgewordenen Sohnes und Logos Gottes. „Den Unsichtbaren vermittels des sichtbaren Bildes schauend, lobpreisen wir ihn als gegenwärtig seienden…“ (Joh. Von Damaskus, 1 Rede, PG 94, 1296 und 1333).

Erlauben Sie mir bitte hinzuzufügen, dass auch die dritte Person der Heiligen Dreiheit, der Heilige Geist, nur symbolisch abgebildet wird, wie Er auch auf Erden erschien: als Taube und als Feuerzunge.

Die Orthodoxen verehren nicht die Ikonen, sondern ehren sie. Und Sie können sicher den Unterschied verstehen zwischen Verehrung und Ehrerbringung. „Ich weiß drum, dass Ehrerbringung etwas anderes ist…Eines ist die Verehrung der Latrie, ein anderes aber die dargebrachte Ehrehrbringung gemäß des Ehrenranges“ (Joh. Von Damaskus, 1 Rede, PG 94, 1240).

Jetzt, da wir zum Ende kommen, möchte ich anmerken, dass meinerseits in meinen Antworten auch eine gewisse Selbstkritik nicht fehlte, zumal die Orthodoxe Metropolis von Korea Mitglied der NCCK ist. Ich finde, dass es von größter Wichtigkeit ist, dass wir auf solch hohem Niveau über theologische Themen diskutieren können, in denen wir, leider, Differenzen aufweisen. Doch ich bin guter Dinge, dass wir, mittels des Dialogs der Liebe und der Wahrheit, uns gegenseitig besser kennenlernen und den Geist der Vereinigung auf rechten ekklesiologischen Fundamenten vorantreiben können. Ich danke Ihnen von Herzen für die Einladung, Ihre vortrefflichen Fragen und Ihre Aufmerksamkeit.

Übersetzung: Alexia Ghika- Kyriazi

Transkription
A.D. Kontogiannakopoulou
Zeitschrift
„Πάντα τα Έθνη“, Band 123
Juli – August – September 2013

 

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